Tag des Waldes: "Der deutsche Wald steht unter starkem Druck"
NaturFreunde fordern Berlin zu nachhaltiger Waldwirtschaft auf
„Der deutsche Wald steht unter starkem Druck“
Der Wald in Deutschland steht unter einem starken Druck. Deutsche Wälder leiden heute unter einer übersteigerten Holznachfrage und werden vielfach zu Energie- und Rohstofflieferanten degradiert. Der Klimawandel verändert nicht nur langfristig die Zusammensetzung der Wälder und lässt heimische Baumarten aussterben, er macht den Wald auch anfälliger für Schädlingsbefall, Unwetter und Stürme als in vergangenen Jahrhunderten. Die deutschen NaturFreunde haben deshalb auf einer Tagung in Schmiedefeld im Thüringer Wald die Bundesregierung aufgefordert, konsequent eine „nachhaltige Waldwirtschaft“ zu betreiben.
Wie Mira Beinert. die Naturschutzexpertin des Verbandes erklärt, muss 2011 als „Internationales Jahr der Wälder“ in Deutschland als Jahr zum Umsteuern in der Waldpolitik genutzt werden. Die NaturFreunde forderten deshalb in ihrer „Schmiedefelder Erklärung“, Deutschland müsse hier auch global eine Vorbildfunktion einnehmen und in internationalen Verhandlungen und Wirtschaftsbeziehungen einer nachhaltigen Waldpolitik zum Schutz einer lebenswerten, menschlichen Gegenwart und Zukunft Priorität einräumen.
Mira Beinert erinnerte an die deutschen Selbstverpflichtungen aus der Nationalen Bio-diversitätsstrategie wie die Ausweitung der natürlichen Waldentwicklung auf fünf Prozent der Waldflächen und die Zertifizierung von 80 Prozent auf FSC-Standard bis 2020, verbindliche Richtlinien zur Berücksichtigung der Biodiversitätssziele auch in Privatwäldern und die Förderung des Vertragsnaturschutzes in Privatwäldern auf zehn Prozent der Waldfläche. Dazu müssten ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Waldverjüngung und Wildbesatz auch durch eine Reform des Jagdrechts und verstärkte Bemühungen um die Bildung für nachhaltige Entwicklung für das Kulturgut Wald kommen.
Die NaturFreunde kritisieren, dass Qualität und Gesundheitszustand der Wälder in Deutschland seit Jahrzehnten abnähmen. Intakte, alte Wälder seien die Ausnahme, forstwirtschaftlich durchgeplante Waldparzellen die Regel. Neuaufforstungen mit schnell wachsenden Hölzern verdrängten langfristig gewachsene Wälder. Gleichzeitig sei weniger als ein Prozent der deutschen Waldfläche Wildnisfläche, wo der Wald ohne wirtschaftliche Nutzung sich selbst überlassen werde.
Die verstärkte Öffentlichkeit anlässlich des internationalen Jahres der Wälder müsse deutlich machen, unter welchem extrem starken Druck die deutschen Wälder durch Schadstoffeintrag, Rohstoffknappheit und einen ungebändigten Energiehunger stünden. Deutschland sei neben den USA Weltmeister im Verbrauch von Holz- und Papierprodukten. Nicht zuletzt hierdurch rechneten Experten mit einer Holzversorgungslücke bis zum Jahre 2020 von rund 30 Millionen Kubikmetern allein für Deutschland.
Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre nach den Worten von Mira Beinert eine konsequente, zukunftsfähige Waldstrategie für Deutschland, die verantwortungsvoll Richtlinien und Maßnahmen von Politik und Wirtschaft einfordere. Die zurzeit federführend vom zuständigen Bundeslandwirtschaftministerium geplante Waldstrategie 2020 müsse deshalb eine nachhaltige Waldwirtschaft ins Zentrum ihrer Überlegungen und Forderungen stellen.
Die NaturFreunde haben ihre Mitglieder aufgerufen, sich an der Initiative des Bundesamts für Naturschutz „Gemeinsam wandern – Vielfalt in Wäldern erleben“ zu beteiligen, die sich über einen Zeitraum vom 14. Mai bis 26. Juni erstreckt.





